Grenzgänger und Ansässige im selben Team: wahrgenommene Fairness führen

An einem Montagmorgen erhält ein Teamleiter zwei fast identische Nachrichten. Die erste stammt von einem Mitarbeiter, der in Genf wohnt: Er findet es ungerecht, dass die Kolleginnen und Kollegen aus dem Grenzgebiet «immer früher gehen». Die zweite kommt von einer Kollegin, die jenseits der Grenze lebt: Sie findet es ungerecht, dass die Ansässigen «mehr Homeoffice bekommen».

Beide haben teilweise recht, und beide irren sich im Wesentlichen: Keiner weiss wirklich, was der andere bekommt, und warum.

Tatsächlich unterschiedliche Einschränkungen

Grenzgänger und Ansässige erleben nicht denselben Arbeitstag. Der Arbeitsweg, der Stau an den Grenzübergängen, die Fahrpläne und familiäre Verpflichtungen auf beiden Seiten der Grenze prägen die Organisation. Das Homeoffice hat insbesondere nicht dieselben Folgen: Für Grenzgänger unterliegt es steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Regeln zwischen der Schweiz und dem Wohnland, und diese Regeln ändern sich regelmässig.

Die Führungskraft muss dieses Recht nicht beherrschen. Sie muss aber wissen, dass es existiert, und darf nie eine Regelung zusagen, ohne mit der Personalabteilung geklärt zu haben, was möglich ist.

Was das Gefühl von Ungerechtigkeit erzeugt

Die Erfahrung zeigt, dass Spannungen selten aus tatsächlicher Ungleichheit entstehen. Sie entstehen aus drei Situationen:

  • individuelle Regelungen, nach und nach getroffen, ohne dem übrigen Team erklärt zu werden;
  • Regeln, die nur einige kennen und die andere auf Umwegen erfahren;
  • Sitzungen, die ohne Rücksicht auf den Arbeitsweg angesetzt werden und immer dieselben zum Hetzen oder Entschuldigen zwingen.

Jede dieser Situationen führt zum selben Ergebnis: einem Vergleich auf der Grundlage unvollständiger Informationen.

Regeln sichtbar machen

Die Antwort ist nicht, zwei Regelwerke zu schaffen, eines für Ansässige und eines für Grenzgänger. Sie besteht darin, gemeinsame Kriterien festzulegen — Anforderungen der Stelle, nötige Präsenz im Team, rechtliche Vorgaben — und sie öffentlich zu machen.

Bleibt ein Unterschied in der Behandlung bestehen, muss er sich in einem Satz erklären lassen. «Dein Kollege kann wegen der Regeln für seine Situation als Grenzgänger nicht mehr Homeoffice machen» ist verständlich. «Das ist eine Abmachung zwischen uns» nährt monatelang Misstrauen.

Dieselben Grundsätze gelten für ein teilweise verteiltes Team.

Für alle organisieren

Ein grosser Teil des Problems lässt sich schliesslich im Kalender lösen. Teamsitzungen mitten am Tag, gemeinsame Momente, die kein langes Bleiben voraussetzen, und wichtige Informationen schriftlich statt an der Kaffeemaschine verringern das Gefühl, aussen vor zu sein.

Ein gemischtes Team braucht nicht, dass man seine Unterschiede verwischt. Es muss wissen, dass für alle dieselben Kriterien gelten und dass Anerkennung nicht vom Wohnort abhängt. Dieser letzte Punkt führt zu den nicht-finanziellen Motivationshebeln, die oft mehr wiegen als die Vergünstigungen selbst.

Häufige Fragen

Sollen für alle dieselben Homeoffice-Regeln gelten?

Nicht unbedingt, denn die Situation von Grenzgängern hängt von steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Regeln ab, die für Ansässige nicht gelten. Die Kriterien müssen aber dieselben und allen bekannt sein. Wenn ein Unterschied besteht, erklären Sie, woher er kommt: Eine akzeptierte rechtliche Vorgabe wird selten als ungerecht erlebt, eine unerklärte Vergünstigung fast immer.

Wie reagieren, wenn sich ein Ansässiger über die Arbeitszeiten eines Grenzgängers beklagt?

Prüfen Sie zuerst, was die Person tatsächlich über die Situation weiss. Die Klage beruht oft auf einem Eindruck, etwa frühere Abgänge, die durch frühere Ankünfte ausgeglichen werden. Ist die Abweichung real, behandeln Sie sie offen als Frage der Teamorganisation, statt zwischen zwei Personen zu schlichten.

Betrifft das nur die Westschweiz?

Nein. Die Frage stellt sich überall, wo eine Grenze durch den Arbeitsmarkt verläuft, namentlich rund um Genf, Basel und im Tessin. Sprachen und Wohnländer ändern sich, der Mechanismus bleibt gleich: zwei Gruppen mit unterschiedlichen Einschränkungen und Regeln, die jede aus ihrer eigenen Lage heraus deutet.

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